Darmflora und Multiple Sklerose – gibt es Zusammenhänge?

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die die Nervenzellen im Gehirn, im Rückenmark und in den Sehnerven angreift. Erst kürzlich entdeckten Wissenschaftler, dass Menschen, die unter multipler Sklerose (MS) leiden, eine anders zusammengesetzte Darmflora besitzen als Gesunde. Viele Keime waren bei den Betroffenen unterrepräsentiert, andere hingegen beherrschten das Feld.


„Multiple Sklerose: Der Kot ist aus dem Lot“, so titelt im Oktober 2015 der Doc-Check-Newsletter und spielt damit auf eine aktuelle japanische Studie an, die bei MS-Patienten eine anders zusammengesetzte Darmflora feststellte, als bei Gesunden. Die Forscher identifizierten Unterschiede in der Häufigkeit von 21 Keimen. Zwei Arten (Streptococcus thermophilus und Eggerthella lenta) kamen bei den an Multipler Sklerose (MS) Erkrankten häufiger vor, dafür mangelte es aber an 19 anderen Spezies. Zu den unterrepräsentierten Keimen zählten unter anderem Prevotella, Bacteroides oder Keime aus der Gattung Faecalibacterium.

Doch wie bei anderen Erkrankungen, die mit einem veränderten Mikrobiom einhergehen, stellt sich auch hier wieder die Frage: Was ist die Henne und was das Ei? Verändert sich die Darmflora als Folge der Erkrankung oder ist darin eine Ursache zu suchen? Es spricht einiges dafür, dass die Mitbewohner im Darm tatsächlich auch an der Entstehung der Multiplen Sklerose beteiligt sind. Bei MS spielt – vereinfacht gesagt – das Immunsystem verrückt und greift die körpereignen Nervenzellen an. Unter den Darmkeimen gibt es solche, die eher dämpfend auf die Abwehrzellen wirken, andere aktivieren das Immunsystem. So ist ein gesundes Mikrobiom in der Lage, die Abwehrreaktionen sehr präzise zu steuern. Nehmen aber einige wenige Gruppen überhand und verdrängen andere Nutzkeime, so werden Entzündungen begünstigt und die Abwehrzellen können gegen körpereigenes Gewebe vorgehen.

Doch wie bekommen MS-Patienten eine gute und schützende Darmflora? Dazu gibt es noch keine großen Studien, aber es gibt mehrere Fälle, bei denen sich Betroffene aus anderen Gründen einer Stuhltransplantation unterziehen mussten. Mit dem neuen Mikrobiom kam es dann auch zu einer dauerhaften Verbesserung der Krankheitssymptome.

Auch wir haben inzwischen einige Rückmeldungen von Betroffenen erhalten, dass ein von uns entwickeltes Produkt (Madena Darmkur | Nahrungsergänzungsmittel für gesunden Darm und Aufbau der Darmflora) einige Beschwerden bei MS bessern kann. Eine größere Studie hierzu steht aber auch hierzu noch aus.

Da die Darmflora aber ebenfalls entscheidend von unseren Ernährungsgewohnheiten beeinflusst wird, müsste ja auch das, was wir essen einen Einfluss auf die Krankheitsaktivität haben. Schon früher konnte gezeigt werden, dass der hohe Kochsalzgehalt in unserer westlichen Ernährung die Entzündungen bei multipler Sklerose anheizt. Mit der Abkehr von der traditionell ballaststoffreichen japanischen Ernährung hin zu westlichem Fast-Food hat sich die Zahl der MS-Patienten im Land der aufgehenden Sonnen innerhalb von 30 Jahren vervierfacht. Untersuchungen an einem bestimmten Mäusestamm, der extrem häufig an MS-ähnlichen Symptomen erkrankt, bestätigt diese Beobachtung: Wurden die Tiere auf faserreiche Kost gesetzt, sank die Erkrankungsrate dramatisch. War die Ernährung auch gleichzeitig salzarm, dann blieben alle Tiere gesund.

Aus diesem Grund empfehlen die italienischen Forscher Paolo Riccio und Rocco Rossano Patienten mit multipler Sklerose eine darmflorafreundliche Ernährung. Sie sollte ballaststoffreich sein, aber so wenig Zucker, Salz, rotes Fleisch und gesättigte Fettsäuren wie möglich enthalten. Diese Nahrungsbestandteile heizen Entzündungen im Körper an und bringen die Darmflora aus dem Gleichgewicht. Beides fördert die Entstehung und die Verschlechterung der multiplen Sklerose. Auch den Einsatz von Antibiotika sehen viele Forscher bei MS kritisch und betrachten ihn als Risikofaktor für den Ausbruch und die Verschlechterung der Krankheit.

Hier finden Sie einen wissenschaftlichen Artikel zum Thema Darmflora, Leaky Gut Syndrom und MS: zum Artikel

Weiterführende Literatur:

Aho-Ritter, A. (2015): Multiple Sklerose: Der Kot ist aus dem Lot. DocCheck-Newsletter, 26. Oktober 2015.

https://news.doccheck.com/de/105585/multiple-sklerose-der-kot-ist-aus-dem-lot/

Miyake, S., Kim, S., Suda, W. et al. (2015): Dysbiosis in the Gut Microbiota of Patients with Multiple Sclerosis, with a Striking Depletion of Species Belonging to Clostridia XIVa and IV Clusters. PLoS ONE 10 (9): e0137429
Riccio, P., Rossano, R. (2015): Nutrition Facts in Multiple Sclerosis. ASN Neuro 18; 7 (1)