Hashimoto und Darmflora

Wenn entsprechende genetische Veranlagungen für Autoimmunerkrankungen vorhanden sind, reichen geringe zusätzliche Belastungen aus, um die Krankheit zum Ausbruch zu bringen. Manchmal ist eine Darmflorastörung der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Hashimoto Patienten verfügen offensichtlich über ein anderes Mikrobiom, als gesunde Probanden.

Hashimoto-Patienten mangelt es an bestimmten Keimen

Aktuelle Studien zeigen sehr deutlich, dass es bei der Hashimoto-Thyreoiditis wichtig ist, auch die Darmflora in die Therapieüberlegungen mit einzubeziehen. In Studien fehlten im Darm der Patienten Bakterien mit zungenbrecherischen Namen wie „Bacteroidetes“, „Faecalbacterium prausnitzii“ und „Prevotella-Keime“. Wenn Sie nun versuchen, Präparate mit diesen Keimen in der Apotheke zu erhalten oder im Internet zu bekommen, werden Sie enttäuscht sein. Diese Keime sind nicht als Präparate erhältlich, da sie zu der so genannten „anaeroben Darmflora“ gehören. Darunter versteht man Keime, die beim Kontakt mit Luftsauerstoff absterben, weshalb sie nicht in Pulver und Kapseln verpackt werden können. Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass im Darm von Hashimoto-Patienten andere Bakterein (Firmicutes) häufig in zu hoher Zahl vorkommen.

Je schlechter die Darmflora, desto mehr Autoantikörper

Eine Störung der Darmflora, eine so genannte „Dysbiose“ beeinflusst das Immunsystem und dadurch auch die Bildung von Auto-Antikörpern. In Studien lagen die Spiegel der Auto-Antikörper, die das Schilddrüsengewebe angreifen und zerstören können, umso höher, je ausgeprägter die Störung der Keimzusammensetzung bei den Patienten war. Möchte man diese verloren gegangenen Schutzkeime wieder im Darm aufforsten, muss man zu anderen Mitteln greifen. Das Wachstum dieser Bakterien lässt sich nur indirekt fördern. Verzehrt man häufig präbiotische Ballaststoffe, die man auch als „Darmfloradünger“ bezeichnen könnte, dann beginnen viele nützliche Keime, sich zu vermehren. Wichtig für die bei Hashimoto fehlenden Keime sind die Präbiotika Inulin, Pektin und resistente Stärke.

In einer Studie, die sich eigentlich mit dem Thema Gewichtsprobleme beschäftigt, konnte nachgewiesen werden, dass sich ein gestörtes Verhältnis zwischen den beiden bakteriellen Großfamilien Bacteroidetes und Firmicutes durch die Gabe eines synbiotischen Nahrungsergänzungsmittel (Madena Darmkur) innerhalb von vier Wochen normalisieren lässt. Diese beiden Keimgruppen spielen nämlich auch bei Gewichtsproblemen eine wichtige Rolle. Nach acht Wochen schmolzen dann auch die Kilos – auch das ist ja bei Schilddrüsenunterfunktion ein interessanter Aspekt, zeigt aber auch, dass man etwas Geduld benötigt, wenn man Erkrankungen über eine Optimierung der Darmflora angehen möchte. Zahlreiche Studien weisen nämlich darauf hin, dass eine Störung des Mikrobioms dem Erkrankungsbeginn Wochen, Monate, manchmal Jahre vorausgeht und auch im umgekehrten Fall sich zunächst die Darmbakterien regenerieren müssen und es dann nach einigen Wochen zu einer Besserung der Symptome kommen kann.

Auch den Dünndarm überprüfen

Eine andere Untersuchung zeigte, dass bei mehr als der Hälfte der Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion auch eine Bakterienüberwucherung des eigentlich keimarmen Dünndarms nachgewiesen werden kann. Bei den schilddrüsengesunden Kontrollpersonen fand man diese Fehlbesiedelung in weniger als 5 Prozent der Fälle. Eine Behandlung mit probiotischen Keimen oder (bei einer Dünndarmfehlbesiedelung) auch Antibiotika (Rifampicin) können sowohl die Darmbeschwerden als auch die Unterfunktion bessern. Der Einsatz eines Antibiotikums sollte aber nur erfolgen, wenn dieses Dünndarmproblem nachgewiesen wurde. Meist reicht dazu ein Atemtest aus. Prinzipiell sollte man mit Antibiotikagaben eher vorsichtig sein, denn diese Medikamente unterscheiden nicht zwischen guten und schlechten Bakterien und bringen deshalb nicht selten die gesunde Darmflora völlig durcheinander.

Mit der Ernährung die Darmflora unterstützen

Natürlich ist es bei Hashimoto auch wichtig, präbiotische Ballaststoffe über die Ernährung zuzuführen. Nicht jeder Ballaststoff ist automatisch präbiotisch, also in der Lage, die Darmflora zu nähren. Deshalb sollten regelmäßig Hülsenfrüchte auf den Tisch, Zwiebeln, Schnittlauch und Knoblauch beim Kochen verwendet werden. Haferflocken und Leinsamen tun dem Darm gut, ebenso wie grüner Tee und Kaffee, dunkle Schokolade oder Cranberries.

Mehr Informationen dazu finden Sie im aktuellen Buch „Power für die Schilddrüse“ sowie in der Darmflorareihe „… mit Darm“.