Mit Bakterien gegen Neurodermitis

Bakterien haben eine enorme Bedeutung für die Gesundheit unserer Haut. Bei Hauterkrankungen ist die Balance der Hautflora jedoch häufig gestört. Aktuelle Studie zeigt: Neurodermitis lässt sich durch Bakterien bessern .

Auf Ihrer Haut wimmelt es – und das ist gut so. Unsere äußere Hülle besitzt ein wertvolles und artenreiches Biotop, in dem mindestens 10 Milliarden Keime, wahrscheinlich sogar bis zu einer Billion mikroskopisch kleiner Organismen eine Heimat finden. Ganz unterschiedliche Bakterien, Pilze und Viren leben als Mikroflora auf der Hautoberfläche, in den Haarfollikeln und zwischen den Zellen der Haut. Einige Mikroorganismen haben sich dauerhaft eingenistet und sind kaum zu vertreiben, andere besiedeln uns nur vorübergehend.

Pat. 1: Kniekehle vor der Behandlung

Pat. 1: Kniekehle nach einer Woche Behandlung

Die meisten Mikroben tun uns gut. Sie erhalten unsere äußere Hülle gesund, wehren Attacken krankmachender Keime ab und regulieren das Immunsystem. Nur eine gesunde und vielfältige Mikroflora ist in der Lage, unsere Oberfläche zu verteidigen und vor Krankheiten zu bewahren. Denn durch ihre exponierte Lage ist unsere Haut zahlreichen Einflüssen ausgesetzt. Sonnenlicht, Hitze und Kälte setzen ihr zu. Eine intakte Bakterienflora hilft bei der Reparatur entstehender Schäden, beim Aufbau der Hautbarriere und dem Erhalt des Säureschutzmantels.

Und sie scheint uns auch vor einer Vielzahl chronischer Hautleiden zu schützen. Immer häufiger stellt man nämlich fest, dass bei Hauterkrankungen wie Schuppenflechte, Akne oder Rosazea eine Störung der Keimbalance eine Rolle spielt. Besonders offensichtlich ist das bei der Neurodermitis. Die Haut von Ekzem-Patienten wird von anderen Keimen besiedelt im Vergleich zu der Haut von Gesunden. Vor allem ein bestimmter Keim „Staphylococcus aureus“ ist häufig der Verursacher bei juckender, schuppender oder nässender Haut. Je mehr diese Bakterienart sich nachweisen lässt, desto schwerer ist in der Regel der Erkrankungsverlauf.

Zur Behandlung setzt man neben Kortisonpräparaten deshalb häufig Antibiotika oder desinfizierende Präparate ein. Doch das ist nicht selten der Beginn eines Teufelskreises, denn Antibiotika können zwar (vorübergehend) die Zahl der üblen Keime stark dezimieren, aber gleichzeitig nimmt auch die Menge schützender Bakterien weiter ab, die für eine dauerhafte Besserung der Neurodermitikerhaut notwendig wären.

Langsam findet ein Umdenken statt. Anstatt Keime – gute wie schlechte – zu töten, versuchen Experten inzwischen die günstigen Bakterien zu fördern und damit die Haut vor Infektionen und Entzündungen zu schützen. So heilen Verbrennungswunden, auf die bestimmten Milchsäurebakterien aufgetragen wurden, schneller und mit weniger Narben ab, als die mit desinfizierenden Verbänden behandelten.

In einem Forschungsprojekt an der Hochschule Coburg beschäftigen wir uns auch mit diesem Thema. Bei der Neurodermitis geht es vor allem darum, die unerwünschten Keime zu dezimieren ohne die schützende Bakterienflora zu schädigen.

In einer ersten Studien (siehe Fotos) zu diesem Thema besserten sich die Ekzeme der Neurodermitispatienten mit Hilfe eines „Bakterienbades“ bereits nach einer Woche. Das Bad enthielt unter anderem Milchsäurebakterien, die auch zur Herstellung von Joghurt eingesetzt werden. Juckreiz, Hauttrockenheit, Schuppung und Entzündungen gingen dadurch sichtbar und messbar zurück. Die Haut war weniger aufgekratzt und heilte schneller ab. Bei den Teilnehmern der Plazebogruppe, die in einer wirkstofffreien Lösung badeten, blieben die Ekzeme unverändert. Besonders wirkungsvoll scheinen die Bäder bei aufgekratzten, nässenden und stark juckenden Ekzemen zu wirken.

Die Bakterientherapie von Hauterkrankungen ist ein neues „heißes“ Thema der Forschung und scheint eine effektive und dennoch nebenwirkungsarme Behandlung darzustellen. In der Vergangenheit hatten Mikroorganismen einen schlechten Ruf und man fokussierte sich vor allem auf das Dezimieren von Krankheitskeimen. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden. Die Forschung der Hochschule soll dazu beitragen, in Zukunft die gesundheitsförderlichen Keime zu stärken, um dadurch langfristige Verbesserungen der Haut zu erzielen.

Durchführung der Bäder:

1 gehäufter Messlöffel Madena Darmkur® auf 2 Liter lauwarmes Wasser. Badezeit: 1x tgl. 10 Minuten. Anschließend das Badewasser nicht abspülen, sondern auf der Haut trocknen lassen, nach 30 Minuten Anwendung einer Basispflege erlaubt.

Pat. 2: Kniekehle vor der Behandlung

Pat. 2: Kniekehle nach einer Woche Behandlung

Weitere Informationen gibt es in einem Interview mit der Zeitschrift Umwelt & Gesundheit: 

Mikrobiom und gestörte Hautbarriere bei Neurodermitis